In diesem Bereich finden Sie unterschiedliche Informationen zu unserer Kirche.
Nach den neuesten archäologischen Grabungen (1988/89) lässt sich feststellen, dass die einzige mittelalterliche und älteste evangelische Gemeindekirche in Frankfurt in drei Bauphasen entstand. Anzunehmen ist, dass eine Kapelle mit fast quadratischem Grundriss bereits im 11./12. Jhdt. gebaut wurde.
Mitte des 13. Jhdts. wurde ein Turm angebaut, am Ende des Jahrhunderts u. a. der Chor und das Langhaus vergrößert. Die Entdeckung der Mauerreste weist wohl auf eine mögliche romanische Kapelle, die eventuell der eigentliche Gottesdienstort der staufischen Kaiserpfalz war. Die Alte Nikolaikirche wurde ursprünglich als königliche Hofkirche errichtet, deren Kaplan vom König ernannt wurde.
Im 15. Jhdt. wurde sie Mittelpunkt der städtischen Almosenpflege. Seit dem 15. Jhdt. ist die Nikolaikirche als Ratskirche bekannt. Wo sich heute im Turm das Glockenspiel befindet, hielt sich nach der Mitte des 15. Jhdts. ein Wächter auf, dessen Aufgabe es war, die Schiffe" anzublasen". In Folge der Reformation wurde die Kirche geschlossen und als Lagerhaus vermietet.
Anfang des 18. Jhdts. wurde sie wiederhergestellt und 1721 für den Gottesdienst eröffnet. Während des nächsten Jhdts. diente sie als Garnisonskirche und als Nebenkirche für die Frankfurter Gemeinden. Sie wurde nach 1813 erneut geschlossen und wieder zum Lagerraum gemacht.
Bereits Anfang 1949 war sie nach Kriegszerstörungen wiederhergestellt und der evangelischen Paulsgemeinde übergeben. 1989-92 erfolgte eine umfassende Renovierung, während der u. a. ein Keller gegraben, ein beweglicher Altar und Lesepulte sowie eine neue Orgel gebaut wurden.
Herzlich Einladung zu einem kleinen Rundgang durch unsere schöne Alte Nikolaikirche.
Es gibt viel zu entdecken und interessante Dinge zu erfahren.
- von der Nordwestecke ausgehend -
Die beiden dreijochigen Schiffe sind mit quadratischen und oblongen Kreuzgewölben überdeckt.
Der mittlere Schlussstein ist mit der Bischofsfigur des Hlg. Nikolaus geschmückt. Nikolaus von Myra (+350) wurde als Patron der Kranken und Helfer der Armen verehrt, er galt auch als Bewahrer vor den Gefahren des Wassers.
Er sollte womöglich gegen die häufigen Hochwasser des Mains schützen.
Eine breite Nische in der Westwand wurde während der Renovierungsarbeiten freigelegt. Die Gemeinde nutzt sie für ihre Wandzeitung, um aktuelle Themen aus evangelischer Sicht aufzugreifen
Die Grabdenkmäler Siegfrieds zum Paradeis (+1386) und seiner zweiten Frau Katharina zum Wedel (+1378) wurden Anfang des 15. Jhdts. für die Hospitalkirche zum Hlg. Geist geschaffen und nach deren Abbruch 1840 in die benachbarte Nikolaikirche versetzt.
Siegfried zum Paradeis hat sich um die Stadt besonders dadurch verdient gemacht, dass er das Schultheißenamt aus der Verpfändung an auswärtige Adelige löste. Ihm dankt Frankfurt den Stadtwald.
Sein Spruchband: O miser(ic)ordia (domi)ni miserere mei (O Barmherzigkeit des Herrn, erbarme dich meiner).
Andere Grabsteine gehören zu Gräbern von Persönlichkeiten, die in der Nikolaikirche bestattet sind, u. a. dem Senior des Predigerministeriums, Dr. Pritius (1662-1732).
Die aus rotem Sandstein gearbeitete Figur an der Ostwand zeigt Christus als Schmerzensmann, eine Kopie (1985) des um 1370 durch Dombaumeister Madern Gerthener oder seine Schule für die Hospitalkirche entstandenen Originals (heute Histor. Museum).
Ins Gedächtnis kommt das biblische Wort:
"Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen... er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen" (Jes. 53,4-5).
Die Farbfenster wie die Chorfenster stammen von Lina von Schauroth (1874-1970), einer Frankfurter Künstlerin aus der Baumeisterfamilie Holzmann.
Die vier Farbfenster wurden in den 30er Jahren für die Privatkapelle der Familie von Weinberg in Frankfurt-Niederrad geschaffen, während des Krieges im Dom zu Limburg gelagert und 1951 in die Alte Nikolaikirche eingebaut.
Im selben Jahr entstanden die Chorfenster, die die vier Evangelisten natürlich wie symbolisch (vgl. Off. 4,6-8) darstellen.
Der Chor ist mit dem Schiff durch einen spitzbogigen Triumphbogen von rechteckigem Querschnitt ohne Profil verbunden. Die beiden Schlusssteine sind konvex gestaltet und mit Weinlaub und Trauben bzw. Rosenblättern und -blühten bedeckt.
Die Schwalbennestorgel wurde von der Firma Oberlinger, Windesheim, in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Orgelsachverständigen Prof. Dr. Menger gebaut (1992). In allen Teilen aus Spessarteiche gebaut, umfasst sie u. a. 23 Register, 1598 Pfeifen und 25 Glockenschalen und eine Vogelstimme.
Die Treppe ins Untergeschoss führt zu Nebenräumen.
Erbaut 1992 durch Gebr. Oberlinger, Windesheim/Hunsrück
von Erwin Hoheisel
Nur für kurze Zeit, während der Kriegsjahre 1939 bis 1942, besaß Alt-St. Nikolai auf dem Römerberg ein von der Glockengießerei Franz Schilling Söhne in Apolda gegossenes, auf g1 gestimmtes Glockenspiel (Carillon), das jedoch zu Rüstungszwecken abgeliefert werden musste. Von den ursprünglich 35 Glocken kehrten 1947 immerhin 27 aus dem Hamburger Glockenlager zurück.
Diese wurden jedoch zugunsten eines neuen Glockenspieles von der Heidelberger Glockengießerei Friedrich Wilhelm Schilling in der Tondisposition g1-a1-h1-c2 , dann chromatisch bis g4 umgegossen. Für den automatischen Betrieb des nun 35 Glocken umfassenden Carillons baute die Orgelbaufirma Heinrich Vogt aus Frankfurt am Main-Höchst einen Spielapparat mit Lochkartenpneumatik und einen in die Mechanik des Automaten eingreifenden Handspieltisch, auch Stokkenklavier genannt.
Im Jahr 1959 goss die Firma Friedrich Wilhelm Schilling für das Handspiel noch einmal 5 Glocken bis c5 hinzu und erweiterte damit den Umfang des Glockenspieles auf insgesamt 40 Glocken.
Die 1994 installierte Anlage in Digitaltechnik besitzt nun gegenüber der alten Version separat angelegte Konstruktionen für das Handspiel und den elektronisch gesteuerten Automaten mit seinen von außen die Glocken anschlagenden Magnethämmern. Dabei wurde auch gegenüber der vorigen Konstruktion der Handspieltisch um 180 Grad gedreht und die Lage seiner Tasten für Manual und Pedal der international gültigen Norm angepasst.
Durch die Königliche Glockengießerei Eijsbouts in Asten (Niederlande) wurde gleichzeitig der Umfang des Glockenspieles im Diskant um weitere 7 Glocken erweitert, so dass nun im Manual die üblichen vier Oktaven, von der die Literatur für Glockenspiel ausgeht, zur Verfügung stehen. Der alte Glockenbestand wurde in derselben Gießerei geprüft und, wo nötig, in der Stimmung korrigiert. Das nun 47stimmige Glockenspiel von Alt-St. Nikolai erklingt (automatisch) täglich um 9.05, 12.05 und 17.05 Uhr mit jeweils zwei Melodien, die den Zeiten des Kirchenjahres (leider nicht immer) angepasst werden.
Hinweis: Auf der im Axel-Gerhard-Kühl-Verlag erschienen CD "Frankfurt am Main: Glocken, Glockenspiel, Großes Stadtgeläute" (AGK 12 220) ist das Glockenspiel der Alten Nikolaikirche mit drei Liedbearbeitungen mit von der Partie.
von Erwin Hoheisel:
Der schlanke oktogonale Turm der Alten St. Nikolaikirche beherbergt vier Läuteglocken in der Tonfolge gis1-h1-cis2-e2. Diese wurden 1956 von der Gießerei Gebrüder Rincker in Sinn bei Wetzlar gegossen und befinden sich in einem Glockenstuhl aus Eichenholz im oberen Turmgeschoss über dem Glockenspiel. Die Glocken selbst hängen jedoch leider immer noch an Stahljochen, die alsbald gegen Holzjoche ausgetauscht werden sollten, um ein noch weicheres Klangbild des gesamten Geläutes zu erzielen.
Den Klang der Glocken finden Sie auf der hr4-Seite "Glocken - Klänge der Heimat".
| Name | Versöhnungsglocke | Christusglocke |
| Gussjahr | 1956 | 1956 |
| Gießer | Gebrüder Rincker | Gebrüder Rincker |
| Gußort | Sinn | Sinn |
| Gewicht (kg) | 584 | 351 |
| Durchmesser (mm) | 1006 | 847 |
| Schlagton | gis1 - 3 | h1 - 3 |
| Inschriften | LASSET EUCH VERSÖHNEN MIT GOTT + 2. KORINTHER 5/20 + |
EINER IST EUER MEISTER + CHRISTUS + MATTHÄUS 23/10 + |
| Name | Dankesglocke | Gebetsglocke |
| Gussjahr | 1956 | 1956 |
| Gießer | Gebrüder Rincker | Gebrüder Rincker |
| Gußort | Sinn | Sinn |
| Gewicht (kg) | 238 | 145,5 |
| Durchmesser (mm) | 752 | 634 |
| Schlagton | cis2 -2 | e2 -3 |
| Inschriften | DAS IST EIN KÖSTLICH DING * DEM HERRN DANKEN + UND LOBSINGEN DEINEM NAMEN * DU HÖCHSTER + PSALM 92/2 + |
WENN ICH DICH ANRUFE * SO ERHÖRST DU MICH + UND GIBST MEINER SEELE GROSSE KRAFT + PSALM 188/3+ |
Hinweis: Auf der im Axel-Gerhard-Kühl-Verlag erschienen CD "Frankfurt am Main: Glocken, Glockenspiel, Großes Stadtgeläute" (AGK 12 220) sind die Glocken der Alten Nikolaikirche zu hören.
Hier finden Sie folgende Klangbeispiele unserer Glocken im mp3-Format:
| Anhang | Größe |
|---|---|
| eineglocke.mp3 | 110.61 KB |
| zweiglocken.mp3 | 165.56 KB |
| mehrglocken.mp3 | 246.19 KB |
| Glockenspiel1_ext.mp3 | 403.79 KB |
| Glockenspiel2_ext.mp3 | 278.36 KB |
| Glockenspiel3_ext.mp3 | 465.69 KB |
Der renommierte Frankfurter Künstler Gerd Kehrer hat in seinen Bilderzyklen der Frankfurter Citykirchen auch die Alte Nikolaikirche gemalt.
Er sagt dazu: "Meine Bilderzyklen der Frankfurter Citykirchen sind Werke von christlicher Spiritualität. Der Bilderzyklus Paulskirche, die als die Wiege der deutschen Demokratie bezeichnet wird, ist eine malerische Demonstration für die Werte der Demokratie. Die übrigen vier Bilderzyklen zur Katharinenkirche, Leonhardskirche, Liebfrauenkirche und zur Alten Nikolaikirche sind Zeichen meiner Verbindung zur Stadt Frankfurt und Teil meiner eigenen Lebenskultur“ .
Auf seiner Homepage (Seite 5) finden Sie den Zyklus Alte Nikolaikirche komplett mit Vergrößerungen und Texten zu den Frankfurter Citykirchen.
Ein Besuch lohnt sich!!!