Situation heute

Glauben und Religion - Wozu heute noch ?
Diese Frage stellen sich viele Menschen, bei denen der eigene direkte Kontakt mit Religion oft weit zurückliegt - etwa in der Kindheit und Jugend - oder die praktisch ohne jede Berührung von Religion aufgewachsen sind.

Manche haben noch Kindheitserinnerungen an schöne Weihnachtsgottesdienste - im Erwachsenenalter beschränken sich die Kirchenbesuche jedoch oft auf große Familienfeste (Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen) und werden nicht selten - was den religiösen Aspekt angeht - mit einem "Achselzucken" hingenommen. Kirchen werden hauptsächlich als historische Bauten wahrgenommen, die meist als eine Bereicherung des Stadtbildes angesehen werden und in die man höchstens einmal kurz hereinschaut (wie z.B. in unsere schöne Alte Nikolaikirche am Römerberg in Frankfurt am Main).

Allenfalls billigt man der Kirche als gesellschaftliche Organisation eine nützliche soziale Funktion zu: Bereitstellung von Kindergärten, Altenhilfe, Obdachlosenhilfe etc. "Glaube" gilt vielen jedoch als lebensfern und überholt. Aber auch den Menschen, die dem Glauben distanziert und mit Unverständnis gegenüberstehen, kommen manchmal Fragen ins Bewußtsein, die sich Menschen schon immer gestellt haben: Woher kommen wir? Wozu leben wir? Wohin gehen wir? Warum ist nicht nichts?

Einfache, schnelle und rationale Antworten darauf sind offensichtlich im Rahmen des rationalen Bewußtseins nicht zu finden. Da ohnehin neben Beruf, Karriere, Geldverdienen, aktiver Freizeitgestaltung, Familienmanagement etc. kaum Zeit bleibt, sich mit solchen Fragen tiefer zu beschäftigen, werden allein schon Gedanken über mögliche Antworten leicht als "weltfremde Grüblerei" und Zeitverschwendung abgetan. Die Möglichkeit, Antworten auf diese Fragen durch Entwicklung eines neuen Bewußtsein zu erhalten, welches das rationale Bewußtsein zwar als Teil enthält, dieses aber "übersteigt", liegt außerhalb der Vorstellungswelt vieler. Allerhöchstens werden vom Zeitgeist vorgegebene Antworten auf die genannten Fragen als abschließend akzeptiert und nicht weiter hinterfragt. Viele Menschen spüren im Laufe ihres Lebens jedoch einen grundlegenden Mangel, nämlich das Fehlen eines letzten Sinnes ihres Lebens.

Zwar gibt es eine Reihe von Dingen (bestimmtes Konsumverhalten, Machtstreben, Gewinnstreben, "Spaß haben", Beruf, Leben für die Familie uvm.), die diesen Mangel eine zeitlang überdecken. Mit der Zeit jedoch nutzen sich alle diese Dinge ab und verlieren an Wert. Es entsteht eine innere Leere, die zu einer verzweifelten, depressiven und in gewissem Sinne "lebensmüden" Einstellung zum Leben führen kann.
In dieser Situation begeben sich viele Menschen auf die Suche nach einem Ausweg aus der Sackgasse und beginnen sich für Religionen, Sekten oder esoterische Systeme zu interessieren.