In den folgenden Abschnitten werden Erläuterungen zu den einzelnen Gottesdienstbestandteilen gegeben, wobei als Grundlage die Grundform des Gottesdienstes in der Paulsgemeinde (siehe dort) dient. Dessen Bestandteile finden sich in den meisten evangelischen Gottesdiensten wieder. Der Gottesdienst ist ein fundamentaler und zentraler Bestandteil des Gemeindelebens. Seine Ziele sind:
- Gottes Dienst an den Menschen mit Lob und Dank anzunehmen
- Gottes Wort zur Sprache zu bringen
- Menschen zu stärken und einen Halt zu geben
- Menschen zum Dienst an Menschen auszusenden
Die einzelnen Bestandteile des Gottesdienstes, die auch auf der Seite "Grundform des Gottesdienstes in der Paulsgemeinde" angegeben sind, werden im folgenden kursiv wiedergegeben.
I. Eröffnung und Anrufung (Sammlung der zum Gottesdienst Kommenden)
Die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde hat zunächst Gelegenheit, sich bei einem kurzen Orgelvorspiel zu entspannen und zu sammeln. Der Begrüßung der Gemeinde durch den Pfarrer folgt ein erstes Lied (Eingangslied), das wie alle Lieder im Gottesdienst eine Art der Verkündigung der christlichen Botschaft darstellt. Durch das durch den Liturgen vorgetragenen Votum wird deutlich, daß der gesamte folgende Gottesdienst im Namen Gottes geschieht, Gott also auch selbst zu Wort kommt. Dies bestätigt die Gemeinde mit "Amen" ("Ja, so soll es sein"). Der dann folgende Eingangsspruch (Introitus) ist ein Bibelwort, das gemäß eines sogenannten "Liturgischen Kalenders" für jeden Sonn- und Feiertag festgelegt ist und eine biblische Aussage darstellt, der die Gemeinde mit dem Kleinen Gloria zustimmt. In dem nun vom Liturgen vorgetragenen Sündenbekenntnis wird - ohne direkten Rückgriff auf biblische Texte - zugegeben und geklagt, daß durch eigene Unachtsamkeit und eigenes Versagen manche Dinge im eigenen Leben nicht im Sinne der Botschaft Christi verlaufen sind. Dies fordert das Kyrie, einen Ruf nach Erbarmen, durch die Gemeinde heraus. Dieser Ruf wird durch den Liturgen durch die Gnadenverkündigung, die einen zur Thematik des Sündenbekenntnis inhaltlich passenden Bibelspruch darstellt, beantwortet. Zur Bestätigung der erlösenden Wirkung der Gnadenverkündigung singt die Gemeinde nun das Große Gloria. Nun richtet der Pfarrer ein formales Grußwort an die Gemeinde in Form des Salutatio, welches vom ersten Gebet im Gottesdienst, dem Kollektengebet gefolgt wird. Dieses dient der inneren Sammlung und bereitet den zweiten Teil des Gottesdienst, welcher der Verkündigung und dem Bekenntnis gilt, vor.
II. Verkündigung und Bekenntnis (Orientierung)
Der Text der Schriftlesung durch den Liturgen ist ebenfalls aus dem Liturgischen Kalender entnommen und stammt meist aus dem Neuen Testament, manchmal auch aus dem Alten Testament. Die Gemeinde freut sich über die gehörte Botschaft der Schriftlesung durch Singen des Halleluja, was soviel wie "Lobet den Herrn" bedeutet. In dem nun folgenden Glaubensbekenntnis (Apostolikum) ist die Lehre der Apostel in konzentrierter Form zusammengefaßt. Nach einem Lied folgt nun die Predigt, in der ein Abschnitt der Bibel ausgelegt und dessen Bedeutung für die heutige Zeit herausgearbeitet wird. Die Predigt ist der zentrale Bestandteil eines evangelischen Gottesdienstes. Während des nach der Predigt folgenden Liedes wird die Kollekte für einen wohltätigen Zweck eingesammelt, danach erfolgt das Fürbittengebet, in das die Nöte und Sorgen der Welt und des einzelnen Menschen eingeschlossen werden
III. Abendmahl (Gemeinschaft)
Der nun folgende Abendmahlsteil des Gottesdienstes hat eine Reihe von Funktionen: er dient zum einen dazu, Gott zu danken für Jesus Christus, für seinen Tod und seine Auferstehung. Zum anderen wird an Jesus Treue zu Gott bis in den Tod gedacht, wobei mit Jesus Tod stellvertretend für die, die Gott ihr Leben verweigern, der sog. "Neue Bund" zwischen Gott und den Menschen geschlossen wird. Darüberhinaus tritt man durch das Abendmahl symbolisch in die Gemeinschaft Christi ein, mit der auch eine Versöhnung mit den Mitmenschen verbunden ist. Schließlich symbolisiert das Abendmahl die Hoffnung auf die Vollendung des Werkes Christi in der Welt und in unserem Leben. Der Abendmahlsteil wird mit einem thematisch darauf abgestimmten Lied eröffnet. Nach der Danksagung, einem Dialog zwischen Gemeinde und Pfarrer, der noch einmal gegenseitige Bestärkung im Glauben und die Notwendigkeit des an Gott gerichteten Dankes beinhaltet, folgt ein Lobgebet durch den Pfarrer. Das nun gesungene Sanctus ist ein Lobgesang auf den kommenden Herrn (Jesus Christus), dessen im Neuen Testament überliefertes Gebet, das Vater Unser anschließend von der Gemeinde gesprochen wird. Dieses "Gebet des Herrn" wird von Glockengeläut begleitet. Es folgen die Einsetzungsworte aus Martin Luthers Kleinem Katechismus, mit denen das letzte Abendmahl Christi beschrieben wird. Während der Einsetzungsworte zeigt der Pfarrer der Gemeinde symbolisch das später zur Austeilung kommende Brot und den Weinkelch. Mit dem nachfolgenden Agnus Dei wird noch einmal nach dem Erbarmen Christi gerufen. Der Austeilung des Heiligen Abendmahles voraus geht der Friedensgruß, bei dem sich die Gottesdienstbesucher persönlich Frieden wünschen können. Nach der Austeilung des Heiligen Abendmahles durch den Liturgen (Brot) und den Pfarrer (Wein) an die Gemeinde, die sich dazu im Kreis um den Altar versammelt, spricht der Pfarrer abschließend einen aus der Bibel entnommenen Lob- und Dankspruch, woraufhin sich die am Abendmahl teilnehmenden wieder auf ihre Plätze setzen und Zeit für ein stilles Gebet ist. Nach einem Dankgebet durch den Pfarrer beginnt der letzte Teil des Gottesdienstes.
IV. Sendung und Segen (Sendung in den Alltag)
In dem gemeinschaftlichen Erlebnis eines Gottesdienstes wird als letzte gemeinschaftliche Handlung der Gemeinde ein Schlußlied gesungen. Danach gibt es die Abkündigungen durch den Pfarrer, durch welche die Gemeinde über Ereignisse im Gemeindeleben informiert wird (Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, weitere Gottesdienste, besondere Gemeindeveranstaltungen etc.). Mit dem Sprechen eines Sendungswortes (Bibelspruch) und dem Segen durch den Pfarrer, welcher durch die Gemeinde ein letztes mal mit "Amen" ("Ja, so soll es sein") beantwortet wird, endet der Gottesdienst. Während des Orgelnachspiels gibt es noch einmal Gelegenheit, das im Gottesdienst erlebte nachzufühlen und sich auf die Rückkehr in den Alltag vorzubereiten.

